Letztes Jahr, Ende April.
Wir standen am Flughafen und traten die Rückreise an – mein Mann, die drei Kinder und ich. Drei Wochen Japan lagen hinter uns. Drei Wochen voller Eindrücke, Begegnungen und Momente, die sich leise ins Herz geschrieben haben.
Und alles begann mit einer Idee.
Seiner Idee.
Ich? Ich reise nicht, um die Welt zu sehen. Ich reise, um mich auszuruhen. Um anzukommen.
Fliegen mag ich schon gar nicht – bei jedem kleinen Ruck bin ich überzeugt, es war das letzte Zittern. Und grosse Städte? Eigentlich zu laut, zu viel, zu weit weg von dem, was sich für mich nach Zuhause anfühlt.
Und trotzdem habe ich Ja gesagt.
Einfach so.
Vielleicht wegen der Kirschblüten.
Vielleicht wegen dem Essen.
Vielleicht, ohne es zu wissen, weil etwas in mir genau dorthin wollte.
Der Flug war lang. Die Nacht kurz. Unsere kleine Tochter schlief auf meinem Schoss, während irgendwo zwischen Müdigkeit und Gedanken die Welt unter uns vorbeizog.
Am Morgen: Tokyo.
Fremd. Gross. Wach.
Zu früh für unsere Wohnung. Zu müde für Pläne.
Wir standen bei den Schliessfächern, in einer Schlange, die sich länger anfühlte als sie war. Ich war erschöpft, leer – und fragte mich leise: Warum habe ich mir das angetan?
Und dann… passierte etwas.
Nicht laut.
Nicht plötzlich.
Sondern ganz still.
Ein Park.
Kirschbäume in voller Blüte.
Kinderlachen. Menschen. Leben.
Und mitten darin: Ruhe.
Diese Stadt – so voll, so schnell – fühlte sich auf einmal weich an. Friedlich. Tragend.
Ich stand da, zwischen all den Menschen, und spürte etwas, das ich nicht erwartet hatte:
Ein Ankommen.
Ein Zuhause-Gefühl.
So wie damals, mit 20, als ich zum ersten Mal Heimweh hatte – und verstand, dass mein Herz ins Wallis gehört. Zu den Bergen. Zur Weite.
Dieses Wissen, ohne Zweifel.
Und genau dieses Gefühl fand ich wieder.
Mitten in Tokyo.
Ich begann, den Rhythmus dieser Stadt zu fühlen. Ihren Herzschlag. Ihren Flow.
Die Menschen – so respektvoll, so ruhig, selbst im Trubel. Kein Drängen, kein Lärm, nur ein stilles Miteinander. Selbst das Warten wurde zu einem Moment des Innehaltens.
Und ich merkte, wie sich etwas in mir veränderte.
Die Zeit verging viel zu schnell.
Tokyo, und all die anderen Orte – jeder einzelne ein kleines Geschenk. Begegnungen, die bleiben. Eindrücke, die nachklingen.
Und irgendwo zwischen Tempeln, Zügen und Kirschblüten ist es passiert:
Ich habe Fernweh bekommen.
Ich, die eigentlich nur ankommen wollte.
Ich will sehen. Entdecken. Spüren.
Diese Welt ist so gross – und plötzlich fühlt sie sich nicht mehr fremd an.
Und doch weiss ich: Ich muss nicht weit gehen, um all das zu finden.
Ich kann hier beginnen. Im Wallis. In der Schweiz. In Europa. Schritt für Schritt.
Aber Japan…
Japan hat einen Platz in meinem Herzen bekommen.
Und wenn es eines Tages leichter wird zu reisen, bewusster, nachhaltiger – dann werde ich zurückkehren.
Weil dort noch so viel auf mich wartet.
Bis dahin bleibt die Dankbarkeit.
Für diese Reise.
Für dieses Gefühl.
Für dieses leise Wissen:
Glück ist überall.
Im Kleinen. Zuhause.
Und im Grossen, draussen in der Welt.